Ep. 57: Wird 2026 »Das Jahr der Linken«? | mit Daniel Bax
Shownotes
Ein Jahr ist es her, dass die Linkspartei zum ersten Mal wieder bei 5 Prozent in den Umfragen stand. Seitdem geht es für die Partei immer wieder bergauf. Stehen bald sogar Regierungsbeteiligungen an? Darüber sprechen wir mit Daniel Bax, Autor von »Die neue Lust auf Links«.
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Musik: Kevin MacLeod (Local Elevator) / Lizensiert mit Uppbeat: WNHYXQPDU5IIKDJR
IMAGO / Political-Moments
Transkript anzeigen
00:00:00: Die Linke ist gut beraten, nur dann in eine Regierung zu gehen.
00:00:03: Wenn sie ein Projekt hat, wo sie sagen kann, das setzen wir durch.
00:00:06: Da machen wir einen Unterschied.
00:00:07: Das könnte in Berlin der Mietendeckel sein, im Sachsen-Anhalt und im Osten.
00:00:11: Da würde ich hier nicht raten, in eine Regierung einzutreten.
00:00:19: Herzlich willkommen bei Jagobin Weekly.
00:00:21: Ich bin Lauren Bahlhorn, Chefredakteur von Jagobin und nun nach einer etwas länger als erwarteten Sendepause zurück als Moderator von diesem.
00:00:31: Podcast.
00:00:32: Es ist ein neues Jahr und ich freue mich auf die Themen, die wir diskutieren und Gäste, die wir begegnen werden in den nächsten Wochen und Monaten.
00:00:40: Für die erste Folge des Jahres blicken wir zurück.
00:00:43: Auf diese Jahreszeit vor einem Jahr, im Januar, im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr In den Wochen danach ging es immer weiter bergauf, so dass in der vorgezogenen Bundestagswahl die Linke mit fast neun Prozent wieder in den Bundestag einziehen konnte und da das BSW ihre ehemaligen Genossen und einzige Kompetenten es knapp nicht reingeschafft haben, seitdem die einzige linke Opposition zur Regierung von Friedrich Merz bildet.
00:01:20: No offense, Grünen.
00:01:23: In dem letzten Jahr muss man Ehrlicherweise sagen hat die Linke sich wirklich nicht schlecht geschlagen.
00:01:28: Sie ist immer noch bei zehn, elf Prozent in den Umfragen, manche ihre Parlamentarier gehören zu den beliebtesten Politikern des Landes und immer mehr Menschen treten der Partei bei.
00:01:38: Die große Eintrittswelle nach der Wahl hat inzwischen nachgelassen, aber die Partei zählt über hundertzwanzig tausend Mitglieder und ist damit wahrscheinlich die größte sozialistische Partei in der Bundesrepublik seit Verbot der KPD vor siebzig oder fünfundsebzig Jahren.
00:01:53: Ich weiß es gar nicht mehr so genau.
00:01:56: Doch wie lange kann diese Dynamik halten?
00:01:58: Es gab vor allem, was die Haltung der Partei zum Genozid in Gaza anging, viele Kritik sowohl innerhalb, als außerhalb den eigenen Reihen.
00:02:08: Und die bundespolitische Machtkonstellation sieht für die Linke wirklich sehr schwierig aus.
00:02:13: Die Grünen und die SPD werden beide immer schwächer.
00:02:16: Und obwohl die Linke sich doch recht gut schlägt im Parlament, ist die Partei, die am meisten von der Erwachsenen unmutende Bevölkerung profitiert, nach wie vor die rechsradikale.
00:02:27: AfD.
00:02:28: Wie kann eine sozialistischer Partei in diesem Kontext agieren, ohne ihre Prinzipien zu verraten oder schlicht politisch irrelevant zu reden?
00:02:36: Darüber werde ich gleich diskutieren mit dem Journalisten und Autoren Daniel Bax, Redakteur bei der TATS und Autor des Buches Die neue Lust auf Links.
00:02:45: Bisher glaube ich das einzige Buch über die neue Linkspartei im Deutschen Bundestag.
00:02:51: Ich freue mich auf die Diskussion, doch bevor wir das mit Daniel lostreten, möchte ich noch einmal groß Danke sagen an euch allen, die unsere Crowdfunding-Kampagne im vergangenen Dezember unterstützt hat.
00:03:05: Wir haben euch geschrieben, dass wir eure Hilfe brauchen und ihr habt geantwortet.
00:03:09: Wir haben über sechstigtausend Euro eingesammelt, die wir jetzt direkt rein investieren werden in den Re-Launchen zur Website später in diesem Jahr.
00:03:18: In den nächsten Wochen und Monaten werden wir viel mehr Details darüber verraten.
00:03:21: Ich freue mich schon sehr auf alles, was kommt, aber in dieser Stelle wollte ich einmal schon mal festhalten, dass wir wirklich sehr, sehr dankbar für eure Unterstützung seid und ohne euch das alles einfach nicht machen können.
00:03:34: Gut!
00:03:34: Bis gleich mit Daniel.
00:03:35: Hi, danke und herzlich willkommen bei Jack Winweeke.
00:03:39: Hallo, hallo, Noren.
00:03:42: Schön, dich zu begrüßen, als erster Gast des Jahres und fast ein Jahr oder quasi ein Jahr nachdem Linke es wieder in die fünf Prozentzone geschafft hat, über ihr letztes Jahr zu resumieren.
00:03:57: Du hast ein Buch rausgebracht.
00:03:59: Vom paar Monaten, das heißt, die neue Lust auf Links.
00:04:07: Wenn damit, was genau ist diese neue Lust?
00:04:10: Wie würdest du das beschreiben?
00:04:13: Gut, die Linke hat sich neu erfunden und hat ein Comeback geschafft, was keiner erwartet hat.
00:04:19: Dass sie mit acht Prozent in den Bundestag einzieht, war ja noch zwei Monate vor der Wahl nicht vorstellbar so richtig.
00:04:29: Und das ging dann aber sehr schnell.
00:04:32: Und dieser Erfolg... war aber auch tatsächlich das Ergebnis einer längeren Vorarbeit.
00:04:37: Und das habe ich versucht, in dem Buch zu beschreiben, wie sich die Linke nach dem Abgang von Sarah Wagenknecht neu aufgestellt und neu erfunden hat und tatsächlich auch zu neuer Blüte gelangt ist.
00:04:51: Also du sagst, die Linke hat sich neu erfunden.
00:04:54: Dabei ist vieles doch auch was das Personal angeht.
00:04:59: Viele sind eigentlich gleichgeblieben.
00:05:00: Also es sind auch viele der gleichen Gesichter.
00:05:03: Es sind natürlich auch neue hinzugekommen, auch wie meine Vorgängerin bei Jacoby Ines Schwertner.
00:05:09: Aber eine komplett neue Partei ist es nicht.
00:05:14: Das klingt davon ab, wie man darauf schaut.
00:05:17: Also die Mitgliederzahl hat sich verdoppelt.
00:05:20: Im Bundestag sitzen... Zwei Drittel, mehr als zwei Drittel Menschen, die davor nicht da waren und auch zum Teil gar nicht in der Linken aktiv waren.
00:05:32: Also sehr viele Neulinge im Bundestag.
00:05:34: Die Partei hat sich deutlich verjüngt, sie ist weiblicher geworden und sie hat auch nicht nur Mitglieder... sondern auch von der Wählerschaft her neue Wählergruppen angezogen, die vielleicht schon immer zur linken Sympathien hatten, aber jetzt sie auch gewählt haben.
00:05:52: Und insofern natürlich ist es keine komplett neue Partei.
00:05:56: Die Strukturen sind die Alten.
00:05:59: Das Kaliebknechthaus heißt immer noch Kaliebknechthaus.
00:06:03: Aber ihnen schwerter ist jetzt auch noch nicht so lange in der Partei.
00:06:05: Sie ist schon ein neues Gesicht auch.
00:06:08: Heidi Reicheneck ist seit Jahrzehnteinundzwanzig im Bundestag auch noch nicht so lange dabei.
00:06:13: Also ich würde schon sagen, dass viele neue Gesichter das Bild der Partei prägen.
00:06:17: Der Erfolg ist auch nur deswegen zu erklären, dass man sich anschaut, dass eben in einem Bezirk wie Berlin, Neukölln, jemand wie Ferrat Kotschak, der Vorhafen... für die Linke im Abgeordnetenhaus saß, angetreten, ist auch direkt Kandidat und da auch Erfolg hatte.
00:06:31: Also es ist eine Mischung aus alten Gesichtern, neuen Gesichtern und insofern ist die Frage klar.
00:06:39: Es ist die alte Partei, sie heißt immer noch Linke und die gibt es seit fast zwanzig Jahren, aber ist das jetzt eine... Sind die neuen Mieter nur eingezogen?
00:06:52: Oder werden sie das Haus umbauen?
00:06:55: Das ist noch gar nicht so klar.
00:06:56: Die Programmfindungsphase fängt ja jetzt erst an, also ist die Linke will sich ein neues Programm geben und das wird spannend.
00:07:05: Ich glaube auch etwas, was du verfolgen wirst, das Programmerstellungsprozess.
00:07:12: Ja,
00:07:12: klar.
00:07:13: Was findest du dabei?
00:07:15: Vielleicht die Knachpunkte, wo?
00:07:17: Wo wird intensiv diskutiert oder gerungen?
00:07:20: Ich kann mir vorstellen, dass bei Krieg und Frieden es einige Meinungsdifferenz in der Partei gibt.
00:07:26: Aber wo siehst du da die wirklichen Knackgute?
00:07:29: Also ich glaube schon, dass die grundsätzliche Ausrichtung der Partei in den Fragen Krieg und Frieden wird sicher ein Diskussionsthema werden wieder.
00:07:37: Das war es schon immer in der Linken ein Thema.
00:07:40: Migration wird sicher ein Thema sein.
00:07:43: was umstritten sein wird, die Frage auch Ökologie, welchen Stellenwert das haben soll.
00:07:49: All diese Sachen hat die Link hier im Wahlkampf bewusst ein bisschen nach hinten gerückt, weil das die Themen sind, die ihre eigene Wählerschaft und überhaupt die Menschen in Deutschland spalten.
00:07:59: Und sie hat die Sachen nach vorne gerückt, die Themen nach vorne gerückt, für die sie eigentlich steht, nämlich soziale Fragen.
00:08:06: Und das war ein Erfolgsmodell, ich würde jetzt sagen, Das hat Mamdani in New York auch so ähnlich gemacht.
00:08:14: Da gibt es durchaus Parallelen.
00:08:16: Das bietet sich für eine linke Partei, glaube ich, an, auf ihr Kernthema sich zu fokussieren.
00:08:21: Seitdem die Linke so gut abgeschnitten hat, hört man das auch immer wieder, wo ich mir manchmal denke, ist das wirklich eine neue Erkenntnis.
00:08:30: Also spricht vielleicht einfach eher dafür, wie schwach die Partei in den Jahren davor.
00:08:36: agiert hat.
00:08:37: Es ist aber jetzt keine große Politikwissenschaftliche Einsicht, dass ein Baharien auf ein paar Kernthemen im Wahlkampf gut funktioniert.
00:08:49: Aber lass uns vielleicht ein bisschen auf die Zukunft blickt, weil du hast neulich im Freitag geschrieben, dieses Jahr könnte das Jahr der Linken werden.
00:09:04: gute Chancen hat, zum Beispiel in Baden-Württemberg zum ersten Mal in den Landtag einzuzählen.
00:09:10: Aber ist es nicht eher so, dass sechsundzwanzig wahrscheinlich das Jahr der AfD führt?
00:09:17: Das hängt ja ein bisschen zusammen.
00:09:19: Also, man muss ja sagen, der Erfolg der Linken ist auch eine Reaktion auf den Erfolg der AfD.
00:09:24: Also, die Linke hat sich als Alternative zur Alternativen für Deutschland angeboten und klar... positioniert.
00:09:33: Die Brandrede von Heidi Reicheneck im Bundestag ist dafür das Symbol geworden und das ist ein Grund, warum viele Leute sie gewählt haben, weil sie die Hoffnung verloren hatten, dass die Grünen oder die SPD uns schon gar nicht die Union, falls das noch dazu gezählt werden soll, ein Bollwerk gegen die AfD sind und die Linke tatsächlich auch viel diese Hoffnung aufgenommen hat und insofern ist natürlich die Lust auf links auch eine Sorge vor dem Rechtsruck geschuldet.
00:10:06: Und die Frage bei den nächsten Wahlen wird auch sein.
00:10:09: Tatsächlich unterschiedliche Bundesländer in unterschiedlicher Form wird es noch eine starke linke Kraft geben.
00:10:16: Und also die Aussichten sind gut, dass sie in Baden-Württemberg in den Landtag kommt, auch in Rheinland-Pfalz wahrscheinlich.
00:10:23: Und danach gibt es noch Wahlen, Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, in Sachsen-Anhalt und in Berlin.
00:10:32: Und da ist es sehr unterschiedlich.
00:10:34: Also im Baden-Württemberg wird sie erstmals in diesen westlichen Bundesland in den Landtag einziehen, damit ihre West-Ausdehnung, die immer so schwierig war, weiterführen.
00:10:45: Ich glaube, das ist jetzt, die Linke ist tatsächlich jetzt mit dieser letzten Bundes- Tageswahl tatsächlich eine Gesamtdeutsche Partei geworden, eine nicht nur ostdeutsch-fokussierte und starke, sondern eben auch im Westen verankerte Partei geworden, auch von ihrer Mitgliederschaft her.
00:11:01: Und sie wird aber im Osten dann in Sachsen-Anhalt, wo die Situation ganz andere ist, war sie ja immer auch ein bisschen gegengewicht zur AfD und diese Rolle wird... Sie auch weiterspielen müssen.
00:11:13: Also da wird die Frage sein, ohne Linke ist eine Mehrheit jenseits der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern vielleicht gar nicht mehr möglich.
00:11:22: Das ist aber eine ganz andere Frage als in Berlin, wo sich die Frage stellt, dass die Linke vielleicht zum ersten Mal eine Bürgermeisterin stellen kann.
00:11:30: Das ist ja auch noch nicht da gewesen.
00:11:31: und spannend, dass die Linke jetzt mit der CDU darum konkurriert, wer denn, wer das Rote Rathaus regiert.
00:11:42: Das Potenzial ist da, in den Umfragen könnte es auf einen Kopf an Kopfrennen hinauslaufen.
00:11:47: Und dann ist die Frage, sind die Grünen und die SPD bereit, mit der Linken in eine Koalition zu gehen, und zwar als Juniorpartner.
00:11:55: Das ist nochmal eine ganz andere Frage.
00:11:57: In Sachsen-Anhalt in Mecklenburg ist die Frage, ist die Linke bereit, eine CDU geführte oder SPD geführte Regierung zu tolerieren, damit die AfD keine Macht erhält?
00:12:11: Ja, ja.
00:12:13: Und ich meine, das denke ich auf die grätschen Frage für die Linke.
00:12:18: Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, da wo es noch Linken gibt.
00:12:22: Wie verhält man sich zum grüglichen Zentrum angesichts eines Rechtsrugs?
00:12:28: Darüber will ich auch gerne mehr sprechen, aber ich würde zuerst gerne noch mal einen Schritt zurücknehmen und ein bisschen mehr über wie dein Buch zustande gekommen ist, weil es ist meines Wissens korrigierend, wenn ich falsch lege.
00:12:40: Aber es war wahrscheinlich das erste Buch über die Linkspartei seit Langem.
00:12:44: Das ist natürlich nicht das erste Buch über die Linkspartei, aber das erste seit Langem und sicherlich das erste über die Linke.
00:12:52: seit ihrem unerwarteten Comeback sozusagen.
00:12:55: Wie bist du auf die Idee gekommen und wie bist du dann an das Buch rausgegangen?
00:13:01: Also es ist sogar das erste Buch meines Visions über die Linke überhaupt.
00:13:04: Es gibt kein Buch über die Linke bis jetzt, was erstaunlich ist, weil sie bald zwanzig wird.
00:13:09: Also insofern ist da noch durchaus Platz für weitere Interessenten sich daran zu beteiligen, die Geschichtstreibungen der Linken zu vervollständigen.
00:13:19: Also das ist das eine, dass es tatsächlich eine spannende Partei ist, die jetzt meiner Meinung nach im Moment die spannende Partei ist.
00:13:29: Und ich habe das verfolgt die letzten zwei Jahre nach der Trennung von Wagenknecht, auch das Bündnis Sarah Wagenknecht verfolgt und fand das sehr spannend, weil da standen hier zwei konkurrierende Modelle nebeneinander.
00:13:43: Wagenknecht hat gesagt, wenn wir noch Sozialpolitik durchsetzen wollen, dann müssen wir unseren Fokus darauf setzen und auf eine Friedenspolitik.
00:13:52: Die heißt, wir lassen die Ukraine Ukraine sein und kümmern uns um uns und die Sozialpolitik jetzt zu landen.
00:14:02: und was Russland macht, ist uns egal ein bisschen.
00:14:07: Und was Migration angeht, was andere Themen angeht, die umstritten sind, da schwenken wir nach rechts ein.
00:14:16: und leisten eigentlich diesem Recht so keinen Widerstand, sondern geben dem nach, damit wir da auch keine Eingriffsfläche bieten.
00:14:22: Das war eine strategische Frage, glaube ich, dass ihr gedacht habt, das nützt was, das funktioniert, weil die Mehrheit ist für weniger Migration, die Mehrheit ist für mehr Sozialpolitik, die Mehrheit ist gegen Krieg und so weiter.
00:14:39: Das addiert sich dann vielleicht zu einer Elektoralmehrheit oder zumindest zu einer kritischen Masse von, weiß ich nicht, zweistellig auf jeden Fall, das war die Hoffnung.
00:14:50: Und ich glaube aber, dass die Analyse falsch war, also dass die Vorstellung, es gibt da diese Arbeiterschaft, die abgehängten, die frustrierten vor allem Osten, die sind nun mal am Schwierigkeiten mit diesen woken Themen und... Und Migration lehnen sie auch ab.
00:15:12: Und da muss man sie eben abholen.
00:15:14: Das kann man nicht ändern.
00:15:15: Und um die zu kriegen, müssen wir da eben sozusagen keine Angriffsfläche bieten, aber dafür eben dann ihnen anbieten, Sozialpolitik pur zu machen in ihrem Interesse.
00:15:27: Das klingt erstmal plausibel, aber es hat nicht funktioniert.
00:15:29: Also man sieht, es hat nur bedingt funktioniert.
00:15:31: Es gab einen kleinen Höhenflug.
00:15:33: Aber
00:15:34: es hat am Anfang durchaus funktioniert.
00:15:38: im ersten Jahr, achtzehn Monate, hätte man quasi Geld auf eine oder andere Seite legen müssen.
00:15:46: Aber andererseits auch ist der PSV das von der Spaltung profitiert.
00:15:50: Das ist richtig, dass die haben davon profitiert, aber sie haben so lange davon profitiert, vom Kariesmar von Wagenich, dass sie zweifellos hat, von ihrer rhetorischen Schärfe, die sie auch hat, von ihrer Medienpräsenz, die zum Teil darauf der Tatsache geschuldet war, dass sie halt... Auch die Linke immer kritisiert hat, dass sie zu Vogue und so weiter ist, also da auch Mainstream-Meinungen vertreten hat, aber als Mitglied der Linken.
00:16:18: Sie ist eine spannende Figur, sie ist auf jeden Fall eine charismatische Politikerin und jetzt ganz wertfrei, also eine populistische Politikerin von Format.
00:16:32: Das gibt es ja im Linken wie im Rechten.
00:16:35: in der linken wie rechten Form.
00:16:37: Und sie hat sich so ein bisschen versucht, dazwischen zu bewegen.
00:16:40: Aber wie gesagt, ich war bei der Analyse ein bisschen skeptisch, wie groß dieses Potenzial ist.
00:16:45: Und gescheitert ist die Partei aber vor allem daran, dass sie so erfolgreich war, dass sie in der Verlegenheit war, vielleicht regieren zu müssen.
00:16:55: Und sie hat das in zwei Bundesländern gemacht.
00:16:56: Und das ist jetzt gerade in einem Bundesland auch in Scherben geendet, also im Brandenburg.
00:17:03: Wobei das ironischerweise das Bundesland war, was Sarah Wagenknecht unproblematischer fand Anfangs.
00:17:09: Also sie hat da ihren Sehen gegeben und das lief alles reibungslos und das schien eigentlich sozusagen die ideale Koalition zu sein, BSW und SPD in Brandenburg.
00:17:18: Und jetzt ist sie in Sicht zusammengefallen, weil ich würde sagen, dass BSW den Einzug in den Bundestag verpasst hat und glaubt nur noch mit einer starften Anti-Opositionshaltung, also mit einer starfen Protestpartei Profil, noch Aufmerksamkeit zu finden und Wahlen gewinnen zu können.
00:17:44: Und die Koalition in Brandenburg und Thüringen stören da eher, weil die so auch funktionieren.
00:17:50: halt, wie so eine Regierung funktioniert mit Kompromissen und das BSW hat da durchaus eine Handschrift, sowohl in Thüringen wie in Brandenburg.
00:17:59: gezeigt, würde ich sagen, aber es hat in beiden Bundesländern Wählerinnen und Wähler verloren, weil die Leute sich dann mehr erhofft haben, weil wenn man so viel verspricht wie das BSW, wir werden alles ändern, dann ist es ein bisschen ernüchternd, wenn man dann noch nicht mal Schulessen in den Schulen einführen kann.
00:18:22: Und von Friedensmitteln will ich gar nicht reden.
00:18:25: Genau die gleichen Schwierigkeiten werden auch der Linken vorstehen, bei ihren vorastzusehenden Erfolgen in den Landtagswahlen.
00:18:34: Aber nochmal vielleicht kurz zum Prozess des Buches.
00:18:36: Ich meine, voll Disclosure.
00:18:39: Du hattest auch ein Hintergrundgespräch mit mir geführt bei der Erstellung des Buches.
00:18:43: Aber ich würde auch interessieren, mit welchen Leuten hast du gesprochen?
00:18:47: Wie sah dein Rechercherprozess aus?
00:18:51: Wie bist du dann an das Fleisch sozusagen gekommen?
00:18:55: Genau.
00:18:56: Also ich habe das verfolgt und ich habe auch das BSW intensiv verfolgt.
00:19:00: Also wäre die Wahl anders ausgegangen, wäre das Buch auch ganz anders, hätte ich ganz anders ausgesehen.
00:19:05: Also das ist ziemlich sicher so.
00:19:08: Aber als die Wahl dann gelaufen war, dann stand man plötzlich vor diesem Überraschungserfolg und suchte nach Erklärungen und also mich eingeschlossen und dann fand ich es doch spannend zu sehen, dass einiges davon eben nicht über Nacht passiert ist, obwohl die neue Leitung ja erst im Oktober, man muss sich das noch mal vorstellen, im Oktober, im Oktober vierundzwanzig sind Ihnen Schwerten da und Jan van Aaken erst als Parteichefs angetreten und im Februar sind Sie mit acht Komma acht Prozent in den Bundestag eingezogen und das waren die beiden.
00:19:46: und Heidi Reichenleck und Jan van Aaken als Spitzenkandidatin und Spitzenkandidatin.
00:19:51: haben sich in der kurzen Zeit tatsächlich einen Namen gemacht und wurden bekannt.
00:19:56: Heidi Reicheneck im Internet und Jan van Aaken im Völton und in den großen Talkshows so.
00:20:04: Das war die Rollenverteilung.
00:20:06: Und es hat erstaunlich gut geklappt, weil es eben schon eine Vorarbeit lange davor gab und einiges auch schon eben ab zwanzig, dreiundzwanzig eben schon einen Plan da war.
00:20:17: Wie machen wir jetzt weiter?
00:20:18: Klar, Fokus auf die Kernthemen ist natürlich immer sinnvoll so.
00:20:22: Und das Paradox ist ja, dass die Partei aber die Wahl gewonnen hat.
00:20:28: Nicht trotz ihrer Haltung in anderen Fragen, sondern auch wegen ihrer Haltung in anderen Fragen.
00:20:32: Also ich würde sagen, wichtig war eben auch der Antifaschismus.
00:20:35: Das ist völlig, ne, das war nicht, es gab kein Plakat, wo stand, wir sind gegen rechts, das ist ja klar.
00:20:42: Aber Heidi Reichenek hat das glaubwürdig verkörpert.
00:20:45: Das musste man nicht auf Plakate schreiben.
00:20:48: Gaza war ein wichtiges Thema, würde ich sagen, weil es die einzige Partei war, die den Eindruck erweckt hat, dass sie da eine klare andere Haltung hat als die anderen Parteien und dann auch noch stark genug sein könnte, um das im Bundestag ausdrücken zu können.
00:21:04: Aber sie hat auch Leute angezogen, die einfach von der Klimapolitik der Grünen enttäuscht waren, weil die so viel Kompromisse geschlossen haben, dass viele junge Leute gesagt haben, die sich bei Fridays for Future oder anderswo engagiert haben, gesagt haben, das trauen wir denen nicht mehr zu.
00:21:23: bereit für eine Koalition mit März alles über Bord zu werfen.
00:21:28: Und das alles hat auf ihr Konto eingezahlt.
00:21:31: Das heißt, all diese Themen, und da hat Jan van Aakens auch in der Migrationsfrage zum Beispiel, finde ich eine sehr gute Figur gemacht, weil er sehr klar gesagt hat, das ist unsere Haltung und das, was die Anderen machen, ist ziemlich rassistisch.
00:21:45: Und sich das zu trauen, das zu sagen, ist auch nicht selbstverständlich.
00:21:50: Und das hat ihn genutzt, der Linken auf jeden Fall.
00:21:53: Das Paradox ist eben, dass man eben in diesen anderen Fragen Haltung gezeigt hat und dass das eben anders als Wagenknecht dachte, nicht geschadet hat, sondern würde sagen sogar eher genutzt.
00:22:05: Ich würde sagen, viele zwei bereits, dreiundzwanzig eingeleitet.
00:22:10: Ich meine, wenn wir den Wahlkampf mit einundzwanzig vergleichen, sicherlich war
00:22:15: er...
00:22:17: Jetzt operativ technisch wesentlich besser aufgestellt, auch das Messaging war fokussierter.
00:22:24: Aber mir ist manchmal trotzdem ein Rätsel und ich sage das nicht, um hinterhältig zu klingen, dass mir ein Rätsel was genau hat sich verändert, weil vieles Personal war gleich, wie du sagst.
00:22:37: Es gab neue Gesichter, aber es gab auch alte Gesichter und die Linke hat... in vielen Fragen ihre Position gar nicht verändert.
00:22:44: Also zum Beispiel in deinem neuen Artikel im Freitag schreibst du wie die Linke das Klischeebild, dass Sarah Wagenknecht von ihr immer gemalt hat, zertrümmelt hat in dem Wahlkampf.
00:22:58: Aber legt es vielleicht einfach daran, dass Sarahs Klischeebild vom Anfang an nicht bestimmt hat und die Bedingungen, also die politische Klima war einfach, fünf zum zwanzig, ein ganz anderes heißt, ein zwanzig.
00:23:10: Also, ich bin mir nicht sicher, wo war dann der Qualitative, die Qualitative Verschiebung.
00:23:16: Verschiedene Sachen.
00:23:17: Ich denke mal, also die Strategie war besser, Fokus, Fokus, Fokus auf diese sozialen Themen zu legen.
00:23:25: Und also klar, das Klischee, was Saar Wagenknecht von der Linken gezeichnet hat, war ja, die kümmern sich nur noch um... in ihren Worten, Voke, Großstadt-Themen, also Migration, Ökologie und solche Sachen und Gender-Themen.
00:23:41: Und da ist ja was dran, aber es war natürlich gnadenlos überzeichnet, weil es immer noch eine linke Partei war mit einem sozialpolitischen Profil so.
00:23:49: Das heißt, natürlich ist es aber auch nicht hilfreich, wenn aus der eigenen Partei quer geschossen wird und ein Zerbil gezeichnet wird.
00:23:59: Das reicht ja schon, wenn wir das die politischen Gegner machen.
00:24:03: Insofern hat das natürlich zum Gesamtbild geschadet und dann fehlte, also es fehlte der Fokus in der Vergangenheit, würde ich sagen, dass man nicht so genau wusste, welchen Stellenwert man Sozialpolitik und welchen Stellenwert man in anderen Themen einräumen sollte.
00:24:17: Das war in diesem Fall klar.
00:24:21: Und zum zweiten gab es jetzt auch glaubwürdige Personen, die das verkörpert haben.
00:24:28: Also ich würde sagen, dass Jan van Aaken einfach eine glaubwürdige Position vertreten hat.
00:24:34: Heidi Reicheneck auch in ihrer Zielgruppe glaubwürdig war.
00:24:39: Also die personelle Vielfalt war da, aber nicht in Form einer Karkophonie.
00:24:44: Man muss sich ja vorstellen, vor vier Jahren, ihr Spitzenkandidaten waren ja noch David Dietmar Bartsch und Janin Wissler und damals zogen halt Partei und Fraktionen überhaupt nicht an einem Strang.
00:24:58: Die hatten unterschiedliche Vorstellungen davon, was die Partei, welche Richtung sie gehen sollte.
00:25:04: Es gab noch den starken Wagen-Nech-Block in der Fraktion im Bundestag, der das alles doof fand, was die Parteispitze gemacht hat.
00:25:12: Das hat man ja gemerkt.
00:25:14: Und dann natürlich die Großwetterlage.
00:25:17: Die Großwetterlage war auch eine andere.
00:25:19: Die SPD hat auch deswegen die Linke nach unten gedrückt, weil man plötzlich die Aussicht hatte, Olaf Scholz könnte Kanzler werden.
00:25:28: und gegen die CDU.
00:25:30: Und das hat der Linken natürlich auch Wähler genommen, dass Leute gesagt haben, okay, dann wähle ich lieber die SPD, weil die hat die Möglichkeit zu regieren tatsächlich und nicht die Linke.
00:25:41: Und während jetzt das Klima ein anderes war, alle waren genervt von der Ampel.
00:25:46: Das hat allen Parteien in der Ampel geschadet.
00:25:47: Die haben ja alle massiv verloren gewonnen, haben CDU, AfD und Linke so.
00:25:52: Das ist natürlich auch eine andere Großwetterlage gewesen.
00:25:55: Das muss man auch sagen.
00:25:56: Aber ich würde schon sagen, Hätte die Linke nicht ihre Hausaufgaben gemacht gehabt und ihre Sachen zusammenbekommen und so einen klaren Auftritt hingelegt, dann hätte sie die Wahl nicht gewonnen.
00:26:11: Und interessanterweise war ja auch, also aus der Not, dass man unsichtbar war und tot zu sein schien und medial nicht bekannt war, hat man eine Tugend gemacht und hat sehr stark auf Social Media gesetzt und auch da einfach einen neuen Ton gefunden und sehr mit einer Stimme gesprochen.
00:26:33: Das gab es halt lange nicht.
00:26:34: Da würde ich jetzt hier einen einhaken, weil du hast auch letzte Woche im Freitag geschwäten, dass die Touristilke Partei, also quasi die vielen unterschiedlichen Gesichter, die verschiedenen Zielgruppen ansprechen, auch eine Stärke.
00:26:48: von ihr ist.
00:26:49: Das hätte man, denke ich, auch vor fünfzehn Jahren oder zwanzig Jahren auch über die alte Linkspartei oder die frühe Linkspartei sozusagen sagen können.
00:26:58: Irgendwann hat es dann einen Punkt erreicht, wo das nicht mehr für den nicht war.
00:27:02: Aber die alte Linkspartei, also die Parteien, in der ich quasi politisch aufgewachsen bin, war auch sehr stark geprägt von klaren Strömungen.
00:27:12: Eine linke Strömung, eine rechte Strömung, eine emanzipatorische Strömung, mit ganz klaren Führungsfiguren.
00:27:19: Askelhafenthén auf der einen Seite, Gregor Gizzi, Dietmar Baltsch auf der anderen Seite.
00:27:24: Du hast jetzt für dein Buch mit vielen Leuten auch hinter den Kulissen gesprochen.
00:27:28: Ist es dein Eindruck, dass die Strömung mit nicht mehr so eine Rolle spielen, wie oft behauptet wird?
00:27:34: Oder ist es nur, dass die weniger sichtbar sind, aber trotzdem die gleichen Netzwerke oder zumindest ähnliche Netzwerke?
00:27:40: Nach wie vor existieren, aber sie sind ein bisschen in den Hintergrund getreten.
00:27:46: Ich würde so sagen, sie sind in den Hintergrund getreten.
00:27:49: Also es gibt natürlich immer noch Differenzen über die Frage, in welche Richtung die Partei gehen soll.
00:27:55: Also heißt der Wahlerfolg jetzt, dass man nur auf Sozialpolitik setzen soll und alle anderen Themen... klein fahren soll?
00:28:03: oder ist nicht das Paradox, dass man auch wegen der anderen Themen gewonnen hat und muss man die nicht genauso wichtig nehmen.
00:28:10: Will man in Regierungsverantwortung gehen oder will man eine Bewegungspartei sein, die auf der Straße organisiert?
00:28:17: Also das müssen keine Gegensätze sein, aber es gibt schon unterschiedliche, würde ich mal sagen, Neigungen und Richtungen auf jeden Fall.
00:28:27: Der Streit wird bleiben.
00:28:28: über diese Frage.
00:28:29: Und da gibt es nicht die eine Lösung.
00:28:33: Und natürlich die Geschlossenheit im Wahlkampf ist ja tatsächlich geschuldet, dass man diese Nahtoderfahrung hatte, dass man wusste, wenn man sich jetzt auch noch streitet, dann geht das Boot endgültig unter.
00:28:46: Und jetzt, wo das Boot wieder ein bisschen Fahrt aufgenommen hat, fängt man auch wieder an, in alte Muster zurückzufallen und so Richtung Streitigkeiten vom Zaun zu brechen.
00:28:56: Das merkt man schon.
00:28:57: Ein bisschen.
00:28:58: Was ist das für
00:28:59: ein Gelder, womit wir am ehesten zu Recklin haben, dass Konflikte ausbrechen können?
00:29:05: Na, Ost ist das heikelste Thema, das würde ich sagen.
00:29:08: Das merkt man ja in der Außenwahrnehmung und in der internen Debatte ist das das Thema immer noch was am meisten polarisiert.
00:29:17: Aber ich würde mal sagen, also, Ukraine ist sicher auch ein Thema, was Potenzial hat, noch weiter zu spalten.
00:29:26: Vielleicht nicht ganz so aufgeladen, aber trotzdem die Frage, Waffenlieferung an die Ukraine, ist ja eine Grundsatzfrage meines Gegenwaffenlieferung grundsätzlich in diesem Fall auch oder nicht.
00:29:38: Viele Wählerinnen und Wähler sind da nicht so strikt dagegen wie die Partei.
00:29:45: Ist das ein Problem oder nicht?
00:29:46: Das wird sich zeigen.
00:29:48: Ich glaube nicht, dass sie... Linkspartei einfach so ihren Markenkern aufgeben kann.
00:29:52: Und zudem gehört eben auch eine Friedenspolitik, die heißt keine Waffenlieferungen nirgendwo hin.
00:29:58: Aber nicht alle Wähler werden das gutieren.
00:30:02: Es ist nicht mehr so im Fokus das Thema im Moment gerade, weil man das Gefühl hat, dass wir sowieso woanders entschieden, aber es ist trotzdem ein Thema, was tendenziell natürlich auch zu Konflikten taugt.
00:30:13: Aber wie gesagt, das ist eine Ostthema.
00:30:15: Meine Außenpolitik war früher das Thema Warum die Leute gesagt haben, ich will die Linke nicht.
00:30:19: Ich weiß gar nicht, wofür die stehen.
00:30:20: Die einen sind für Waffenlieferungen, die anderen sind dagegen.
00:30:23: Die anderen sind für Israel, die anderen sind für die Palästinenser.
00:30:26: Das ist so kreuz und quer eine Karkophonie.
00:30:31: Und jetzt hat man doch eher einen klaren Kurs.
00:30:35: Man merkt aber die Unsicherheiten, gerade bei diesem Thema sind am stärksten ausgeprägt.
00:30:40: Also Gaza ist ein Thema oder überhaupt Israel, Palästina, ein Thema, was die Partei... am meisten, glaube ich, immer noch umtreibt und spaltet.
00:30:52: Diese Demonstration am setzenden Januar zum Beispiel, alles für Außenstehende, glaube ich, schwer nachzuvollziehen, warum man da einfach nicht in einer klarer Position beziehen kann.
00:31:04: Aber gut.
00:31:05: Jetzt in die Zukunft blickend.
00:31:08: Es gibt ein großes Problem sowohl für die Linke als auch für das PSGI.
00:31:14: Du hast derselbe auch erwähnt in deinem Artikel, weder die eine Partei noch die andere schafft es im bedeutsamen Maße AfD-Wähler zurückzuziehen.
00:31:24: Und auch die Linke hat eine interne Umfrage geführt, was in mehreren Zeitungen dann jetzt gelegt wurde sozusagen, wo die Partei auch selber feststellen musste, dass ihr bisher, also sie wächst, keine Frage, aber es gelingt ihr nicht.
00:31:39: im bedeutsamen Maße innerhalb der Arbeiteklasse neue Menschen zu gewinnen, sondern wie in allen anderen industriellen Ländern auch bleibt Politik, auch linke Politik, überwiegend eine Aktivität der gebildeten Mittelschicht.
00:31:53: So.
00:31:54: BfW hat mit einem sozial-konservativen Anspruch sozusagen versucht diesen Kreis zu schließen.
00:32:02: Ihnen ist es auch nicht gelungen.
00:32:05: Wo sind Sie?
00:32:09: Aber vor allem für die Linke siehst du da sozusagen ein Weg zur Macht, der nicht über faude Kompromisse läuft.
00:32:17: Also gibt es noch eine Chance für die Partei, sobald wieder Mehrheitspartei zu werden?
00:32:26: Das sind jetzt zwei verschiedene Fragen.
00:32:27: Die erste Frage ist ja, wie kann man Wählerinnen und Wähler von der AfD zurückgewinnen, die ja alle Parteien beantworten müssen.
00:32:35: Die Frage, wenn es eine Zukunft ohne AfD geben soll.
00:32:40: Und die CDU beantwortet das mit, wir machen einfach das Gleiche wie die AfD in Sachen Migrationspolitik, weil wir glauben, die Leute wählen die AfD, weil sie mit der Migrationspolitik unzufrieden sind und weil sie weniger Migration wollen.
00:32:57: Und dann machen wir das und sind eigentlich die bessere AfD.
00:33:02: Julia Klöpner hat das ja fast mal so formuliert.
00:33:06: Wenn ihr das wollt, was die AfD will, dann wählt uns, weil wir machen das viel besser.
00:33:11: Halt ich nicht den Stil führend.
00:33:13: Ich glaube, der Erfolg der AfD hat ja schon viel zu tun mit einer großen Unzufriedenheit.
00:33:22: Und dann ist die Frage, was ist der Grund für die Unzufriedenheit?
00:33:28: Sarah Wagner hat die Idee gehabt, dass die Leute die AfD wählen, weil es ihnen wirtschaftlich nicht so gut geht oder weil sie Abstiegsängste haben.
00:33:37: Da ist ja was dran.
00:33:39: Es ist tatsächlich so, dass AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler durchaus nicht diejenigen immer sind, denen es am besten geht, sondern durchaus eine soziale Komponente auch eine Rolle spielt.
00:33:48: Aber das alleine erklärt das noch nicht, weil sie wird auch von vielen Gutverdienern gewählt und Rassismus spielt eben auch eine Rolle.
00:33:57: Ist das nicht so erfolgsversprechend, ist mein Eindruck, wenn man diesen Rassismus auch noch bedient und sagt, stimmt, ihr habt recht, wir haben zu viele Ausländer und wir müssen die zurückführen und damit alles besser.
00:34:06: Und das hat ja wahrknecht auch ein bisschen suggeriert.
00:34:08: Ich glaube, es geht darum, die große Herausforderung ist zu sagen, okay, Leute, ihr habt das Gefühl, die da oben machen, eh was sie wollen und ich kann nichts ändern.
00:34:20: Und die Ausländer sind schuld.
00:34:23: Und dann wähle ich die Partei, die mir sagt, die ändert was, indem sie die Ausländerzahl reduziert in Deutschland, die Migranten reduziert.
00:34:31: Man muss einfach versuchen, wirklich diesen Diskurs zu verändern, zu sagen, okay, das Problem ist nicht die Migration.
00:34:36: Im Gegenteil, wir werden sie sogar brauchen weiterhin.
00:34:39: Also es ist gar nicht vorstellbar, auch in Ostdeutschland nicht.
00:34:43: Ein Ostdeutschland ohne Migranten ist nicht vorstellbar.
00:34:45: Das ist eine Realität.
00:34:48: Und wichtiger ist aber die Frage, wo drückt denn der Schuh?
00:34:52: Also was genau kann man denn ändern, um dein Leben als Wählerin und Wähler der AfD besser zu machen?
00:34:59: Ist es wirklich besser, wenn die Migranten nicht da sind?
00:35:02: Ich glaube nicht.
00:35:03: Ich glaube, andere Sachen würden dir mehr entgegen kommen.
00:35:07: Wenn der Bus fährt, wenn die Kita funktioniert, wenn die Schulen funktionieren, wenn der Lohn reicht, das sind Sachen... die ja tatsächlich auch viele AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler auch betreffen und besorgen.
00:35:24: Und wenn man da versucht, den Diskurs zu verändern und zu sagen, okay, wir reden über die Probleme im Land, aber was sind die richtigen Probleme?
00:35:34: Nicht irgendwelche Strohpuppen oder irgendwelche Sündenböcke, sondern ja.
00:35:43: das Problem ist, dass das Einkommen oder das Kapital ungleich verteilt ist, also diese Ungleichheiten anzugehen und die Ungerechtigkeiten anzugehen, statt sie eben ja schon so ein Sündenbock-Diskurs zu führen, wie das andere machen.
00:35:57: Wenn das gelingt, ich glaube, da wäre schon viel gewonnen und das ist eine Aufgabe, da hat die Linke einfach einen klaren Diskurs.
00:36:06: Und ich glaube, dass sie auch, dass es gut war, dass sie auch gezeigt hat, was wir Was der konkreter Nutzen ist, also mit diesen, das kann man ja als, das ist ja mehr als nur ein Gag dieser Heizkostencheck und Mietwucher-App und diese Sachen, praktische Hilfe, Sozialberatung, das ist ja nicht nur ein Wahlkampfgag.
00:36:24: und es auch an die Haustüren gehen ist nicht nur ein Wahlkampfgag, sondern das heißt ja, okay, wir hören euch zu, also die Botschaft ist, wir wollen erst mal wissen, wo drückt der Schuh, was können wir tun?
00:36:37: Und vielleicht kommen wir zusammen, vielleicht kommen wir nicht zusammen, aber da zu sein, überhaupt zuzuhören und das zu zeigen, ohne moralisch den Stab zu brechen über diese Menschen, die vielleicht die AfD wählen.
00:36:49: Das ist, glaube ich, schon der richtige Ansatz.
00:36:51: Insofern können da auch andere Parteien was davon lernen.
00:36:55: Aber ich glaube, die Linke hatte einfach am besten ein klareres Profil, weil sie in der Klare auch... leicht verständlichen Diskurs oben unten hat.
00:37:08: Also das ihr sagt, okay, wir sind die, die gegen die da oben was macht und diesen Gefühl etwas entgegensetzt, dass man eh nichts ändern kann, indem sie auch Leute ermächtigt, empowert, ihre Interessen in die eigene Hand zu nehmen.
00:37:27: Und das hat tatsächlich gefehlt in der Vergangenheit.
00:37:29: Also dieses aktivistische Moment Mit Haustür-Wahlkampf war ja schon vorhin mal abprobiert worden, aber in diesem großen Stil noch nicht.
00:37:42: Aber auch mit diesen praktischen Hilfeservice.
00:37:48: Miete ist zu hoch, was können wir aktiv praktisch für dich tun?
00:37:51: Diese Sachen, das ist neu gewesen.
00:37:54: Da müssen wir auch keinen ergeben.
00:37:56: kein Geben erinnert bekommen.
00:37:57: Aber wir haben am Anfang des Gesprächs sprachen wie über das Scherbenhaufen, vor dem das BSW in Brandenburg steht.
00:38:04: Weil das BSW in mehreren Landtagswahlen überraschend erfolgreich war und quasi zu Koalitionsgesprächen gezwungen wurde, dank ihres starken Ergebnisses.
00:38:16: Und nun steht das BSW da in Brandenburg, konnte seine Forderungen nicht ausreichend umsetzen bzw.
00:38:23: es haben immer wieder Landtagsmitglieder aus den PSW gegen die Regionsvorhaben gestimmt, vielleicht auch teuer in den Prinzipien, bis das irgendwann auseinandergekracht ist.
00:38:34: Wie kann die Linke das gleiche Fixal vermeiden?
00:38:39: Weil wir werden in Sachsen-Anhalt, also vor allem in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg ist die Situation noch nicht so kritisch, aber wir werden in Sachsen-Anhalt dieses Jahr und in den nächsten Jahren immer wieder in ausdeutschen Landtagswahlen eine Situation haben.
00:38:54: wo die Gezwungen sein wird, in einer nicht besonders linken Regierung mitzumachen, um die AfD herauszuhalten.
00:39:02: Und da frage ich mich, droht nicht genau die gleiche Dynamik wie beim BSW oder wie bei der Linken vor zehn, fünfzehn Jahren in Ostdeutschland?
00:39:10: und wie kann man aus diesem Treufenskreis herauskommen, erst recht, wenn die politischen Konstellationen eigentlich viel schlechter sind, wenn wir ehrlich sind als vor zehn Jahren.
00:39:20: Ja, also ich glaube, die Linke ist gut beraten, nur dann in eine Regierung zu gehen, wenn sie ein Projekt hat, wo sie sagen kann, das setzen wir durch, da machen wir einen Unterschied.
00:39:30: So, das könnte in Berlin der Mietendeckel sein.
00:39:33: Und anderswo gibt es jetzt nicht so viele andere Optionen, wo im Moment die Aussicht besteht, dass die Linke in einer Regierung mit eintritt.
00:39:42: Insofern ist im Sachsen-Anhalt und im Osten eher die Frage, Da würde ich ja nicht raten, in eine Regierung einzutreten, sondern das zu machen, was sie in Sachsen und Thüringen eh schon macht.
00:39:54: Nämlich im Grunde ist es eine Tolerierung.
00:39:57: Es gibt in Sachsen, wie auch in Thüringen, Minderheitsregierungen.
00:40:01: Oder beide Regionen haben keine Mehrheit im Landtag und sind darauf angewiesen, dass die Linke im Zweifelfall ihr über den Durst hilft.
00:40:10: Und das wird in Sachsen anhalt und Mecklenburg wahrscheinlich ähnlich sein.
00:40:15: Jan van Aaken hat auch schon aufgeschlossen, dass sie in Sachsen-Anhalt mit der CDU eine Koalition bilden, was die CDU auch gar nicht will, aber dass die Linke vielleicht im Zweifelfall dann hilft, eine Hauswahl zu verabschieden in Sachsen-Anhalt, also wo sie konkret konstruktiv einen Beitrag leisten kann.
00:40:35: Das wird möglicherweise auch dort passieren, weil es in Sachsen und in Thüringen auch jetzt schon so passiert.
00:40:40: Das ist das kleinere Übel zu auf Oppositionskurs zu gehen und das Ganze dem Bach runtergehen zu lassen.
00:40:51: Das ist ja der Entscheidung, dass die Linke getroffen hat.
00:40:53: Also lieber das machen, als jetzt zuzulassen, dass die CDU mit der AfD zusammen eine Koalition bildet.
00:41:00: Kann man sich darüber streiten, ob das der richtige Weg ist.
00:41:05: Es ist ja staatstragend, aber man will halt verhindern, dass die AfD an die Machthebel kommt.
00:41:12: Und das ist eine Entscheidung, die hat die Linke getroffen in Sachsen und in Thüringen und die wird sie wahrscheinlich in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern so ähnlich treffen.
00:41:23: Und ich kann es verstehen, ich glaube, das verstehen auch viele ihrer Wählerinnen, was das BSW gemacht hat.
00:41:30: BSW hätte ja auch eine Minderheit-Regierung tolerieren können oder zumindest diese Rolle spielen können in Brandenburg zum Beispiel.
00:41:39: Aber man ist dann in eine Koalition gegangen und das Verrückte ist ja, wie gesagt, also obwohl zum Beispiel man hätte ja auch friedenspolitisch verlangen können, zur Bedingung machen können, dass dieser Stützpunkt, der da ausgebaut wird in Brandenburg, dass der nicht so ausgebaut wird wie... wie geplant da wo die arrow drei stationiert werden sollen das hat man gar nichts zum knackpunkt gemacht.
00:42:09: also man hat eigentlich diesen das was man vor sich hergetragen hat wie einem monst monst trans dass wir die friedenspartei sind hat man da gar nicht zur bedingung gemacht für die koalition und hat man die koalition aber dann platzen lassen am rundfunkstaatsvertrag.
00:42:23: also wo Ich jetzt nicht glaube, dass die meisten BSW-Wähler, das jetzt so wichtig war, dass der Rundfunkstaatsvertrag steigert.
00:42:30: Also das ist glaube ich wirklich nicht der Sache geschuldet, sondern eher strategisch, dass man es vor einem Jahr noch sinnvoll fand zu regieren und jetzt nicht mehr so sinnvoll findet.
00:42:44: Aber das ist ja keine konsistente Politik so, sondern das ist eher... eher opportunistisch ein bisschen, dass man sich wahnsinnig um eine Präambel eines Koalitionsvertrags in die Haare bekommen.
00:42:59: Das ist eine Nebensache.
00:43:01: Das ist überhaupt nicht relevant für das tägliche Leben in Thüringen.
00:43:06: Und ich kann mir schon vorstellen, dass vielleicht Sarah Wagenknecht skeptisch war, ob es sinnvoll ist, mit der CDU in einer Koalition zu gehen.
00:43:14: Das vielleicht besser gewesen wäre, die nur zu tolerieren, weil man da vielleicht auch mehr Druck machen hätte können aus dieser Tolerierungssituation heraus.
00:43:27: Aber dann hat sich nun mal Katja Wolf entschieden mit der CDU und der SPD zu regieren.
00:43:32: Dann diese Störfeuer haben ja auch dem geschadet, dem Bild der Enttüringen und ich glaube die Thüringer sind jetzt nicht so unzufrieden mit dieser Regierung, dass es gerechtfertigt wäre, die so in Anzug greifen, wie sie auch zur eigenen Partei angegriffen wird, diese Koalition.
00:43:55: Das ist einfach nicht wirklich konsistent.
00:43:57: Und natürlich, also die Linke muss ich überlegen, was ihre Rolle ist.
00:44:01: Ich würde ihr nicht raten, in eine Koalition zu gehen, wenn sie da nicht ein klares Programm hat, ein klares Ziel hat, wo sie sagen kann, da machen wir jetzt einen Unterschied.
00:44:09: Aber tolerieren im Zwarfall ist besser, als die AfD an die Macht zu lassen.
00:44:13: Das kann ich schon nachvollziehen.
00:44:16: Gut.
00:44:17: Dann hoffen wir, dass die Landtagserfahrungen oder landespolitische Erfahrungen gelingen in den nächsten Jahren.
00:44:24: Eine positive Röbilanz aufzeigt und aufweist als das BSV bisher.
00:44:29: Daniel, vielen Dank noch mal für das Gespräch.
00:44:32: Daniels Buch, die Neuer Lust auf links, ist erschienen beim Goldman Verlag und ist... in jedem Buchlager in Deutschland war.
00:44:47: Und das war wieder Jackabin Weekly für diese Woche.
00:44:50: Herzlichen Dank nochmal an mein Gast Daniel Bux und auch an euch, unsere loyalen Zuhörerinnen und Zuhörer.
00:44:57: und einen besonderen großen Dank geht an alle von euch, die im vergangenen Monat unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützt habt.
00:45:05: Ihr habt zusammen über sechsigtausend Euro zusammengebracht, die wir jetzt sofort oder ab sofort reinstecken werden.
00:45:12: in eine neue Homepage mit neuen Features, Rubriken, Kolumnisten etc.
00:45:17: Worauf wir uns für den Frühling oder Frühsommer sehr freuen.
00:45:21: Wir würden es nicht schaffen ohne euch.
00:45:23: Vielen lieben Dank.
00:45:24: Wir sehen uns nächste Woche.
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